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Nachtrag: Tiddy

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Es wurde kühler. Man spürte, dass die Tage immer kürzer wurden und der Wind wurde immer eisiger. Aber unserer kleinen Gruppe machte all das nichts aus. Ganz nah beiein-ander war ihnen stets warm. Niklas’ Handwärmer taten ihren Dienst und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. So trieben sie allerlei Späße miteinander. Selbst Friedrich, der kaum sprach und oftmals nur ein Brummen von sich hören ließ, schien sich bei der Reise zu amüsieren. Als sie so des Weges schritten brummte es aber plötzlich laut aus ei-ner ganz anderen Richtung. Es war ein Bär. Aber kein kleiner niedlicher, wie Teddy und Toddy, nein. Es war ein ausgewachsener großer brauner Bär. Seine Erscheinung war furchterregend, da er wild und gehetzt auf sie zulief. Niklas wurde das Herz schwer und auch seine Brüder sahen dem Tier mit Grauen entgegen. Bevor das Untier bei ihnen war sprangen auch schon Teddy und Toddy vor die Wichtel-Zwerge. Emmie huschte in Nik-las’ Hand und kuschelte sich eng an ihn. Der Bär, nun direkt vor ihnen angekommen, stellte sich auf seine Hinterbeine und brüllte wütend in die Luft. Teddy und Toddy mach-ten einen Satz und waren im nächsten Moment auf seinen Schultern. Wild schlug er um sich, doch er konnte sie nicht abschütteln. Wie auf ein Zeichen hin riefen ihm beide in jedes Ohr „Brumm, brumm, buh! Tiddy hör uns zu! Ein lieber Bär bist du!“ Da wurde die-ser ganz still, plumpste zurück auf seine Vorderpfoten und wurde plötzlich immer klei-ner. So klein, dass er weder den einen, noch den anderen Bären überragte. „Ich hab euch so vermisst“, heulte er nun. „Wo seid ihr gewesen?“ Und während die anderen sich allmählich wieder beruhigten erzählten ihm seine Brüder ihre Geschichte und wie sie zueinander ge-funden hatten. Als sie geendet hatten meinte Tiddy nur „Habt ihr es denn schon verges-sen? Ihr dürft nicht von Zauberwesen berührt werden. Sonst werdet ihr zu Schokolade und geht kaputt!“ Die Wichtel-Zwerge sahen einander an. So etwas hatten sie noch nie gehört. Aber als sie dann zu Teddys fehlender Tatze und Toddys fehlendem Ohr sahen wurde ihnen so einiges klar.

P.S. Irgendwie fehlte das noch am 18.12. Hab es gerade erst bemerkt. Sorry!

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Das Lichterfest

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Und als sie ankamen konnten sie es kaum glauben. So viele Wichtel, Zwerge, Gnome, Elfen und Feen waren zu sehen. Auch Trolle und Kobolde waren gekommen. Und überall waren Tiere. Es war ein wirklich großes Fest, das keine Wünsche offen ließ.

Die Kugelbahn wurde zu Friedrichs Freude wieder aufgebaut und er half tatkräftig dabei. Hägar ließ sich, trotz knurrenden Magens nicht zum Essen verleiten, sondern brachte eine Leckerei nach der anderen zur großen Tafel. Annette lief aufgeregt vor der Bühne auf und ab. Änderte hier noch ein Kostüm und ließ sich dort noch einmal den Text aufsagen. Die Bärchen spielten mit den anderen Tieren – Niklas hatte Teddy seinen Fußball wieder gegeben – und waren glücklich und ausgelassen. Und Niklas. Ja unser Niklas saß auf einem runden Stein und starrte vor sich hin. Da sprang Emmie auf seine Schulter. „Was hast du denn?“, fragte sie. „Ich bin nervös.“ „Warum?“ „Weil ich die Geschichte zu Beginn des Festes vorlesen soll.“ „Und?“ „Und das ist eine wirklich große Aufgabe und ich habe Angst davor, dass ich das nicht schaffe.“ „Warum?“ „Weil alles mögliche passieren kann. Weil ich mich verhaspeln könnte, weil ich umfallen könnte, weil…“ „Und was wäre dann?“, fragte sie weiter. „Ich weiß nicht“, sagte Niklas, „das ist ja das Schlimme.“ „Hm. Dann mach dir doch einfach keine Gedanken darüber. Wenn… Falls… Vielleicht… Das bringt dich ja nicht weiter. Ich glaube, dass du das ganz, ganz toll machen wirst und das, egal was passiert, du für mindestens eine Person sowieso der Größte bist.“ „Echt? Für wen?“ Emmie zwinkerte ihn an, sprang von seiner Schulter und eilte davon. Niklas grübelte. Und dann ging er zur Bühne. „Los, Du bist dran!“ Annette schob ihn hinauf. „Viel Glück!“ „D-d-danke“, stammelte Niklas und stellte sich in die Mitte der Bühne. Und als er das Buch aufklappte und die goldenen Lettern sah, da überkam ihn eine solche Stärke und Ruhe, dass er mühelos und laut und deutlich die Legende vom Grünen Mann, den Bringer des Lichts, vorlas. Am Ende wurde er bejubelt und beklatscht. Keiner hatte das Märchen schon einmal schöner vorgetragen. Da waren sich alle einig. Niklas war überglücklich.

Und so feierten alle ausgelassen und fröhlich und vertrieben die Nacht mit ihrem Lachen und den blitzenden Augen. Alles erstrahlte. Und als dann die Zeit gekommen war, dass das Licht wieder kehren sollte, da schaute Niklas zum großen Baum und sah in seinen Zweigen Emmie sitzen. Sie winkte ihm zu. Er trat näher und sah eine kleine Holztreppe, die hinauf führte. Sie sprang immer weiter hoch, von Ast zu Ast, und Niklas folgte ihr. Sollte er wirklich wahr werden? Sein Traum einmal von der Spitze des Baumes das erste Licht des neuen Jahres zu sehen? Er konnte sein Glück kaum fassen. Oben angekommen setzte er sich zu Emmie auf einen Ast. Sie sah ihn an. „Danke“, sprach er, „woher wusstest Du das?“ Sie neigte sich zu ihm und kuschelte ihren Kopf an seinen. Er küsste sie voller Glück auf die Nasenspitze. Da leuchtete sie auf, wurde immer heller und plötzlich saß da eine Wichtel-Zwergin vor ihm. „Was?… Was ist passiert?“, fragte er und sie sah ihn voller Freude an. „Endlich! Endlich bin ich wieder ein Wichtel-Zwerg! Hurra! Du glaubst gar nicht, wie das ist, ein Eichhörnchen zu sein. Ich sag Dir…“ „Was ist denn mit Dir passiert?“, wollte er wissen, immer noch überrascht nun kein Eichhörnchen mehr neben sich zu sehen. Sie sah ihn bekümmert an: „Ich hab mir meinen Bart abgeschnitten, weil er mir so lästig war und plötzlich war ich ein Eichhörnchen. Jahre lang wusste ich nicht ein noch aus, bis mir ein Schmetterling verriet, wie ich dieses Missgeschick wieder rückgängig machen kann. Ich musste jemanden finden, der voller Glück und Freude ist, die ich ihm bereitet hab. Und dieser jemand musste mich küssen.“ „Und du hast mich ausgesucht?“, fragte er, „Warum?“ „Weil ich gerne bei Dir bin. Ich wohnte ganz lange in der großen Eiche direkt neben deinem Haus und habe dich beobachtet. Wie liebevoll du mit allen umgehst und wie wunderbar zu allen bist. Und da dachte ich, dass Du der Richtige wärst.“ Sie sahen einander an und lächelten. „Und dass ich gerne mal hier oben sein möchte? Woher wusstest du das?“ „Das hast du einmal der Eiche erzählt. Ich saß direkt über dir.“  Sie lächelte ihn an. Und bevor er etwas erwidern konnte zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen und sie sahen, eng aneinander gekuschelt, dem ersten neuen Tag entgegen.

Unten, am Fuß der Tanne, lief ein kleiner Wichtel und trug eine Botschaft hoch über seinem Kopf: „Gesegnet sei das Licht und die Liebe!“

Ich liiiebe Happy Ends! Ich hoffe ihr auch.

Habt ein wunderschönes Weihnachtsfest!

Eure Annie

Der Geschichtenerzähler

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„Ich bin gleich soweit!“, flötete Annette aus der Küche und drückte kurz darauf jedem ein kleines Päckchen in die Hand. „Ihr werdet bestimmt Hunger kriegen auf dem Weg. Und… Nein Hägar, das isst Du nicht jetzt!“ Mit einem ärgerlichen Gesichtsausdruck nahm sie es ihm wieder ab. „Hier Friedrich, trag Du das bitte für Deinen Bruder.“ Dieser brummte ein wenig vor sich hin, steckte es aber ein. „Und Du Niklas wurdest dieses Jahr auserkoren die Geschichte vorzulesen.“ Sie drückte ihm ein purpurfarbenes Buch in die Hand. „Ich?“, stammelte dieser nervös, „Wieso denn ich?“ „Weil ich es vorgeschlagen habe und alle dafür gestimmt haben. Nun mach nicht so ein Gesicht. Du kannst das so gut!“ Sie klappte das Buch an der Stelle auf, wo ein Lesezeichen eingelegt war. „Hier. Die Geschichte vom Grünen Mann. Die haben sich alle gewünscht.“ Niklas schaute verdattert, steckte das Buch aber mit großer Sorgfalt ein. „Welch eine Ehre“, dachte er. Und so zogen sie los. Alle gemeinsam dem Lichterfest entgegen.

Endlich vereint

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… jemand aus der Küche tapste. Verschlafen sahen zwei schwarze Knopfaugen in die gesellige Runde. „Tuddy!“ riefen die anderen Bären aus und warfen sich voller Freude auf ihn. Und so balgten sich alle fünf auf dem Boden. Tuddy, immer noch ganz verschlafen, konnte kaum begreifen, dass er alle seine Brüder wieder um sich hatte. Sie stupsten und knufften sich und spielten ausgelassen miteinander. „Endlich vereint“, sagte Niklas und Annette nickte. „Ja, Familienbande halten, nicht wahr?“ Sie sahen sich an. Und auch Hägar und Friedrich kamen hinzu. Sie nahmen sich in den Arm. Ihre Wichtel-Zwerge-Mäntel gaben ihnen kaum Platz, so nah beieinander, aber sie wurden doch alle von dem Bart des nächsten an der Nasenspitze gekitzelt. Und so verband sich jede Familie an diesem Abend. Emmie hüpfte überglücklich von den einen zu den anderen, spielte und tollte hier und kuschelte und schmuste da.

Erinnerungen

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Sie machten es sich gemütlich und lebten einen entspannten, behaglichen letzten Abend vor dem kommenden Lichterfest. Gerade, als es am allerstillsten wurde, sprang Emmie zu Annette. „Hier“, sagte sie und reichte ihr ein Marzipanherz „das ist für Dich.“ Annette be-dankte sich artig und wollte es gerade teilen, da sagte Emmie „Nein. Das ist nur für Dich. Für jetzt.“ Niklas schaute sie verwundert an. „Du warst das? Du hast uns die ganzen Her-zen gegeben?“ Emmie nickte eifrig. „Jajajaja. Hab ich. Das sind Zauber-Herzen. Die lassen einen an die schönsten Lichterfestmomente denken, die man erlebt hat. Damit man noch mehr Vorfreude auf das Fest bekommt.“ „Mhm. Hast Du denn geglaubt, dass wir die brau-chen?“ „Nee, aber schön ist es doch trotzdem, oder?“ Niklas sah seine Schwester an. Die war schon längst in ihren Gedanken versunken. Sie sah die anderen Wichtel-Zwerge und ihre geliebten Schauspielstücke, die jedes Jahr auf der Bühne vor der großen Tanne aufgeführt wurde. Die Geschichten verzauberten das gesamte Publikum, dessen verträumte Blicke Annette stets hinter dem Vorhang auf der Bühne sah. „Ach ja“, seufzte sie verzückt Und dann berichtete sie allen, was sie gerade gesehen hatte. Und auch ihre Brüder erzählten ihre schönsten Erinnerungen. Die Bärchen stimmten ebenfalls mit ein. Und Emmie? Die freute sich, dass ihr Plan aufgegangen war. Und so lachten und sangen sie, bis plötz-lich…

Annette die Adrette

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Die Tür sprang auf. „Niklas! Friedrich! Und mein kleiner Hägar! Wie schön, dass ihr endlich da seid!“ Sie umarmte jeden herzlich und strahlte übers ganze, bartige Gesicht. „Wie schön, wie schön, wie schön. Kommt rein! Kommt rein!“ Sie zog ihre Brüder zu sich in die warme Stube. Überall war es wunderbar hergerichtet. Die eine Seite des Raums erinnerte an einen Sommertag mit himmelblauer Decke und duftig-weißen Vorhängen. Darunter stand eine wiesengrüne Couch, die zwar alt war und knarrte, aber herrlich bequem aussah. Die andere Seite war in Herbstfarben gekleidet. Orange und gelb herrschten hier an den Wänden vor und dunkelbraune Möbel erinnerten an die wohlige Wärme der letzten langen Sonnenstrahlen auf den Bäumen. Insgesamt wirkte die Stube wie die Zelebrierung eines Jahreszeitenübergangs. Niklas fühlte sich sofort an die Stube in seiner Kindheit erinnert. Ihre Mutter hatte auch ein solches Heim gezaubert, in welchem die Farben des Winters und des Frühlings miteinander verschmolzen.

Die Botschaft

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„Und was machst Du hier?“, wollten seine Brüder wissen während sie gemeinsam weiter gingen. „Ich war auf der Suche nach euch. Was denn sonst?“ Kopfschüttelnd sah er sie an. „Tuddy und ich haben uns Sorgen gemacht.“ „Und wo ist Tuddy?“, wollten sie weiter wissen. „Da hinten, in dem Schuh!“ Tiddy deutete auf einen alten, mossbewachsenen Lederstiefel, der mitten im Wald lag. „Wie gut“, sprach Niklas, „euer Ziel ist das gleiche wie unseres. Da wohnt nämlich Annette, unsere Schwester.“ Und so gingen sie gemütlich weiter und staunten ob der wundervollen Verzierungen an Annettes Heim. Überall waren Gold- und Silberbeschläge und das weiche Leder roch gemütlich. Das Törchen vor dem Haus war aus Bronze, in dessen Mitte ein herzförmiger Knauf war. Niklas drückte es sanft und sie gingen hindurch. „Adrett“, meinte Hägar. „Treffend“, sagte Friedrich und sah auf dem Schild über dem Eingang „Hier wohnt Annette die Adrette – Lehrerin für die Geschichte der Wichtel-Zwerge, Elfen, Feen und Kobolde“. „Tja“, meinte Niklas, „unsere Schwester versteckt sich und ihr Talent halt nicht“ und klopfte an die Tür.