„Ich geh dann mal eben raus zum Stillen“

Gut, diesen Satz habe ich etwas anders interpretiert als andere, aber erst mal von Vorne.

Stillen. Das Stillen ist eine Geschichte voller Missverständnisse… Nee warte, das war die Tampon-Werbung. Aber ganz ehrlich: Für dieses Thema gilt die Aussage ebenfalls.

Ich habe mir schon vor meiner Schwangerschaft viele Gedanken dazu gemacht, aber mir nie die Frage gestellt, ob es überhaupt funktioniert. Und ich hatte Glück: Das Kind kam raus, schwupps auf meinen Bauch und nach nicht mal 5 Minuten ran an die Brust und saug, saug, saug. Was für ein grandioses Glücksgefühl, nach all den Strapazen. Und das ist es heute, nach über 6 Monaten, immer noch. Nervig ist es nur, wenn man unterwegs ist und die Kurze nicht einfach gemütlich und still trinken will, sondern ewig rumzappelt und strampelt. Klarer Fall von Multitasking. Das hat sie von der Mama.

Aber ich stelle immer wieder fest, dass ich damit echt alleine stehe. Es gibt sooo viele Frauen, fast alle um mich herum, die kleinere und größere Probleme damit hatten. Und ich stelle mir die Frage, wie so etwas, was eigentlich das natürlichste auf der Welt sein sollte, so viele Probleme aufwerfen kann.

Ich kann ja nur erahnen, wie schwer dieses Thema für Betroffene ist. Schließlich wollen die meisten ja ihrem Kind das Beste, und das ist nach Meinung der Experten und Laien ja nun die Muttermilch, angedeihen lassen. Aber was für ein Schock und Schmerz muss es sein, wenn das nicht auf Anhieb funktioniert. Schließlich bekommt man ja auch schnell Panik. Nicht, dass das Kind Hunger leidet. Und wenn dann noch jemand kommt – Hebammen, Ärzte, Mütter, Schwiegermütter – die alle etwas anderes erzählen, dann kann man ja nur irre werden, resignieren oder sich noch mehr Kopf machen, als man ohnehin schon tut. Und dann fängt der Kreislauf des „Sorgen machen – keine Ruhe finden – zum Stillen Ruhe brauchen – Stillen klappt nicht – frustriert sein – Sorgen machen…“ an. Ein Teufelskreis, aus dem man nur mit ganz viel Geduld – vielleicht mit Hilfe einer Stillberatung etwas schneller – wieder raus kommt.

Es ist meiner Ansicht nach nur eins von vielen Themen, bei denen junge Mütter mehr auf sich, ihr Kind und ihr Bauchgefühl hören sollten, als auf die gut gemeinten Ratschläge von Leuten, die nicht wirklich Ahnung haben. Seid also mutig da draußen und glaubt nicht alles, was ihr hört oder lest. Diese ganz Sache mit dem eigenen Kind ist so eine individuelle Kiste, da gibt es einfach selten eine Standard-Antwort, die für alle gleichermaßen gilt. Und wenn ihr euch Rat suchen wollt, dann nehmt sie nur von Leuten an, die sich wirklich, wirklich gut auskennen und nicht denjenigen, die ihre eigenen Ängste und Sorgen haben oder eigene Erlebnisse durch euch kompensieren wollen.

Ich habe ziemlich schnell angefangen dabei zu lesen. Gerade nachts, damit ich nicht einschlafe. Am Liebsten Bücher über frisch gewordene Eltern. Der gute Herr Mittermeier ist da sehr zu empfehlen. Das Buch hat so viel Spaß gemacht, dass ich mich regelrecht aufs nächtliche Aufwachen, Wickeln und Stillen gefreut habe. Also haltet nach Dingen Ausschau, um euch auch die anstrengendsten Momente so schön wie möglich zu gestalten.

Außerdem habe ich mich bei Besuch nur selten mit dem Kind zurück gezogen. In der Anfangszeit ließ sie sich noch nicht so sehr davon ablenken – ist heute definitiv anders -, so dass ich, wenn bspw. die Hebamme in den ersten Wochen kam, auch dann gestillt habe, während ich im Gespräch war. Gestillt habe ich auch, wenn ich telefoniert habe. Vielleicht hat gerade dieser entspannte Umgang damit es uns beiden erleichtert. Reine Vermutung.

Gestern habe ich dann, draußen mit Kind Tragetuch, die Kür geschafft. Das Mäuschen war nämlich, trotz Tragetuch, recht unleidlich und der Weg nach Hause noch etwa 10 Minuten lang. Gerade ist es ja heiß wie sonst was, also tat ich das einzig Sinnvolle: Ich klappte meine Brust frei und ließ die Kurze andocken. Gut, ich hätte sie dafür etwas tiefer binden müssen, damit es bequemer gewesen wäre, aber ich hob dann meine Brust  etwas an et voilá, das Kind schlabberte fröhlich vor sich hin. Und Mama durfte dann noch nen Berg hoch, na ja… Aber, es hat alles geklappt.

Also traut euch einfach, probiert auch mal unkonventionelle Dinge aus und werft nicht zu früh die Flinte ins Korn. Und wenn ihr es doch tun müsst, es euch und dem Kind weniger Stress einbringt oder euch einfach besser bekommt, dann brecht die Versuche ab und nutzt die Mittel, die uns heute zur Verfügung stehen. Niemand bekommt einen Preis fürs Stillen oder andersherum: ihr seid keine schlechten Mütter, wenn ihr nicht stillen könnt. Schade finde ich es nur immer, wenn ich höre, dass jemand so oder so nicht stillen will. Es nicht einmal probiert. Man nimmt sich und dem Kind von Vornherein damit so viel Freude. Aber letztendlich muss es natürlich jeder selbst entscheiden. Auch ich will nicht anfangen den mahnenden Finger zu schwingen.

Schlussendlich kann ich nur sagen: Ich finde, dass es  – für mich – gerade am Anfang die schönsten Momente waren, wenn ich die Kurze gestillt habe/gerade stille. Niemals wieder ist man dem Kind so nah und verbunden. Und ganz ehrlich: ich finde es auch eine der praktischsten Sachen der Welt, was Mutter Natur sich da hat einfallen lassen. Vor allem, wenn man unterwegs ist. Ich rödel nämlich jetzt rum, wenn es um Breichen und Beikost geht, wann ich was wie wo mache/koche/auftaue/verfütter… Aber auch das wird schon.

Ruhe bewahren. Bestes Motto ever, wenn es um die lieben Kleinen geht.

 

 

2 Gedanken zu “„Ich geh dann mal eben raus zum Stillen“

  1. Hallo Annika, ich habe meine fünf Kinder alle gestillt. Es war anfangs immer eine Strapaze, aber wunderschön. Ich habe lange gestillt. Und es bedauert, als es vorbei war. Meine Tochter stillt auch. Mittlerweile ist das dritte Kind schon fast zwei. Und sie ist noch unbekümmerter beim Stillen als ich. Also viel Spaß noch beim Stillen und Euch alles Gute aus Thüringen. Heike

    • Danke, den werden wir haben. 😀

      Ich glaube, dass ich später mit gemischten Gefühlen abstillen werde. Etwas traurig wird es dann bestimmt auch werden. Aber deswegen genieße ich die Zeit jetzt auch umso mehr.

      Liebe Grüße nach Thüringen!

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