„Bitte kein Rosa“ – Die Sache mit den Klamotten

Es gibt ja so ein paar Dinge, gegen die man sich partout nicht wehren kann, weil der Mainstream es einfach nicht hergibt. Eins davon betrifft definitiv die Auswahl an Kleidung. Aber fangen wir weiter vorne an:

Für mich stand immer fest: Ich werde meinem Kind – egal welchen Geschlechts – so gut es geht vermitteln, dass es keine Rollenklischees erfüllen muss. Es darf tragen, was es möchte und mit den Dingen spielen, die es möchte. So der Plan. Hört sich simpel an, ist es aber nicht.

Als ich erfahren habe, dass wir ein Mädchen bekommen werden, und dies überall stolz und freudig verkündete, habe ich immer direkt gesagt: „Und bitte, schenkt uns jetzt nicht nur Sachen in Rosa.“ Nicht, dass ich die Farbe nicht mag, das würde ja gegen mein „Bunt-Konzept“ sprechen. Ich finde nur, dass ein Mädchen nicht immer komplett von oben bis unten in Rosa ausstaffiert, gebadet und gepampert werden muss. Ein paar Teile, ja kein Ding. Aber es muss nicht die einzige Farbe in den ersten Jahren sein. Eine Vielfalt ist wichtig, so wie beim Essen.

Tja und dann ging der Spaß los. In den Geschäften ist diese Message nämlich oft noch nicht angekommen. Wie sehr ich gerade in den ganz kleinen Größen nach anderen Farben gesucht habe – Himmel! Was habe ich da meiner Verwandtschaft nur aufgebürdet. Aber sie hat es verkraftet und ihre Sache echt gut gemacht. Ein Lob dafür!

Allmählich geht es. Ab Größe 62 wird alles besser und etwas bunter. Und doch ist immer ein Hauch von Rosa dabei. Na gut, das darf ja auch.

Und trotzdem finde ich es schade, dass wir so auf Farben eingeschossen sind. Ich kenne das ja noch von mir früher. Als Kind musste alles immer rosa sein. Aber warum ist das so?

Farben als Erkennungsmerkmal: Ganz früher waren die Farben noch getauscht. Jungs hatten rosafarbene Klamotten an (statt Rot für den König, Rosa für den Prinzen) und Mädchen blaue Sachen. Wieso muss es so was geben? Vermutlich damit alle direkt sehen „Oh, ein Stammhalter!“ oder „Ach, ein Töchterchen…“ Brauchen wir das heute noch?

Natürlich stelle auch ich klar, dass mein Kind kein Junge ist, wenn es fälschlicherweise so genannt wird, aber das ist ja nun auch kein Beinbruch. Muss ich dafür meiner Tochter von Beginn ihres Lebens an eine Farbe aufdrücken, damit sie sich mit dieser identifiziert? Vor allem mit einer, mit der sich alle Mädchen vornehmlich identifizieren sollen? Ist es das größte Glück auf Erden als Mädchen komplett von Rosa umgeben zu sein? Vielleicht ja. Aber was steckt dahinter?

Wenn ich mich so rückblickend analysiere glaube ich, dass ich die Farbe deswegen so sehr mochte, weil alles schöne mädchenhafte, wie Barbie, Lady Lockenlicht, Polly Pocket und diverse andere Comic- und Zeichentrickfiguren, in Rosa daher kamen. Umgebe Dich mit Rosa und Du bist genauso toll, schön, niedlich, erfolgreich und alle lieben Dich! Als ich älter wurde und gemerkt habe, dass Individualität viel toller ist, änderte sich auch meine Lieblingsfarbe. Nicht mehr Mainstream-Rosa, ich wollte Türkis, Mint, Petrol. Das hatte kaum einer in seinem Freundebuch stehen. Das war echt mal was anderes.

Und nu?

Ich versuche es weiterhin. Und wofür auch immer sich unsere Maus entscheidet: Alles ist gut. Und wenn es dann rosa wird – okay. Ich bin gespannt, wie und ob sich ihre Farbwahl auch auf ihren Charakter auswirken wird. Ob sie eher mit dem Strom schwimmt, volle Kanne dagegen, oder in ihrem Tempo nebenher. Eins steht auf jeden Fall fest:

Rüschchen passen überall dran.

Rüschchenpopo

Man muss ja nicht alles verteufeln… 😉

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