Endlich mal wieder Zeit…

Standard

Irgendwie hat es mich letztes Jahr doch öfter genervt, dass ich ständig das Gefühl hatte, eine riesige Uhr schaukele wie ein Damokles-Schwert über meinem Kopf. Und ich wusste nie, wieso.

In den  letzten Wochen vor Weihnachten ist mir allerdings bewusst geworden, dass ich wirklich mal Ruhe brauche – mehr als sonst – und habe jegliche Aktivitäten nach meiner Arbeit auf ein Minimum reduziert. Und siehe da, ich wurde entspannter.

Allerdings drängten sich mir dann doch lästige Fragen auf: Warum brauchst Du das gerade? Wird es jetzt immer so sein? Noch keine 30 und schon dauermüde? Wie soll das denn in 10 Jahren aussehen? Geschweige denn in 30?! Liege ich dann nur noch? Bekomme ich nicht mal mehr mein Bein aus dem Bett? Vielleicht muss mir dann schon jemand Aktivierungs-Tee mit einer Schnabeltasse einflößen und meine Kreuzworträtsel für mich ausfüllen. Reden werde ich ja wohl noch können, oder nicht?

Gut, vielleicht ist es auch nur die Jahreszeit. Auch nicht wirklich erquickender. Dann geht das Ganze ja jedes Jahr auf’s Neue los. In einem gewissen Ausmaß komme ich damit ja auch gut klar, aber der gute Winter – wo auch immer der gerade seine Temperaturen gelassen hat, im Ruhrpott garantiert nicht – soll nicht immer so an meinem Gemütszustand knabbern.

Stelle mir gerade vor, wie das alles wohl früher in diesen Landen ablief  – mache ich häufig, wenn ich nach Antworten suche – und sehe Menschen vor meinem geistigen Auge, die die Zeit nicht nach Uhren messen, sondern mit Sonnenauf- und -untergang leben. Können wir nicht dahin zurück? Das wäre so schön intuitiv und bewusst.

Intuitiv und bewusst. Hm, das sind doch mal gute Stichwörter. Gegen das System komme ich mit meinen Anti-Uhr-Vorstellungen nicht an, das ist mir klar. Aber intuitives Denken und bewusstes Handeln, das könnte man doch mehr fördern. So ganz für sich.  Nicht gegen das System arbeiten, sondern sich darin einen eigenen Kosmos schaffen. Vielleicht bringt mich das ja noch mehr an meine Lebensvorstellungen heran. Ui wie aufregend! Klingt super! Und jetzt?

Mal überlegen. Ich habe ja schon so einiges ausprobiert und das, was mich anderthalb Jahre lang jeden Tag begleitet hat und mir absolut gut tat, war mein morgendliches Yoga. Eine schöne Abfolge von den immer gleichen Bewegungen – natürlich inklusive Sonnengruß -, die einen entspannt in den Tag führen. Herr-lich! Dafür bin ich dann auch gerne eine Viertelstunde eher aufgestanden. (Was zu den unchristlichen Zeiten, wo ich aus dem Bett muss, schon eine wahre Herausforderung ist. Und das, obwohl ich ein Früh-ins-Bett-und-früh-wieder-Aufsteher bin.) Nur irgendwie kam dann irgendwann der Bruch. Ich weiß gar nicht mehr warum. Ich glaube, weil ich mal 2 Wochen krank war oder so und als dann der Winter kam – wir wissen ja jetzt, dass der dran Schuld ist, der böse Winter! – habe ich es irgendwie nicht mehr geschafft wieder damit anzufangen. Der Yoga-Zauber war weg. Puff.

Und was sehe ich in letzter Zeit ständig? Natürlich das aktuelle Yoga-Buch von der guten Frau Fröhlich. Ich bin ja immer zwiegespalten, ob ich die total gut finde oder eher „es geht so“. Bei Barbara Schöneberger ist das anders. Die mag ich irgendwie immer. Vielleicht liegt das auch ein bisschen an der Generation. Mit Barbara verbindet mich mehr. Wir teilen uns eine Generation. Susanne schrabbt so gerade daran vorbei. So mehr in Richtung meiner Mutter. Aber die mag ich ja auch. Die hab ich sogar total lieb. Aber mögen reicht bei Susanne ja auch. Und das ist auch so.

Auf jeden Fall habe ich immer dieses Buch gesehen. Überall stand es, Amazon pries es an. Das Bild der dazugehörigen DVD immer mit im Fenster. Will ich es? Will ich es nicht? Mal Probe lesen… Bei Amazon reingeklickt – wie gut, dass es die „Blick-ins-Buch-Funktion „gibt! – und für gar nicht mal so schlecht befunden. Aber knappe 17 Euro? Nur weil es Hardcover ist und ein paar nette Bilder von ihr mit drin sind? Ich weiß ja nicht… Und dann will ich bestimmt noch die DVD. Ich kenne mich ja. Und die anderen DVDs, mit denen sie gelernt hat, will ich dann bestimmt auch noch. Das geht dann wieder tief in die Tasche. Blöder Konsum. Blöde Gelmachereri. Blöde, blöde, blöde. Und dann ist da ja auch noch mein Fitnessstudio. Mein geliebter Step-Kurs! Aber ehrlich: 40 Tacken im Monat für einmal die Woche Step – mehr schaffe ich irgendwie nie, und wenn dann sagt mein Körper per Schnupfen, dass er das nicht mag – ist schon enorm viel. Da könnten doch so ein Buch und ein paar klitzekleine DVDs eine nette Alternative sein… Nein. Erst nochmal lesen. Diesmal im Buchladen! So richtig blättern und anfassen und so. Das brauche ich manchmal. Gesagt, getan. Und? Wieder nichts. Konnte mich so kurz vor Weihnachten nicht dazu durchringen. Will lieber Fitnessstudio. Oder doch nicht? Schließlich lasse ich gerade auch meinen Step-Kurs schleifen. Ewiges Hin und Her. Erstmal Weihnachten machen. Dann sehen wir weiter.

Während des Urlaubs und der anscheinend immer dazugehörigen Erkältung – ich erwähnte es bereits – noch mal Gedanken machen. Wirklich Step? Nichts anderes? Ist halt auch wieder ein Termin in der Woche, der zudem auch eigentlich voll ungünstig zu meinem Tanztraining liegt. Montag und Dienstag – Bäm! Bäm!, volles Programm! Und dann den Rest der Woche platt. Ist doch auch nicht schön, oder? Aber ohne Tanzen ist nicht. Dann „bin“ ich nicht. Das geht gar nicht.

Man sieht, mein Köpfchen rauchte ob der Frage nach der Bewegung. Denn die musste her. Das war klar.

Also kurzen Prozess gemacht: Fitnessstudio wird nicht verlängert. War ja eh länger nicht da. Da muss ich die zwei mal, die ich noch gehen könnte auch nicht hin. Und nach dem Entschluss ab in die Stadt. Am letzten Urlaubstag. Buch gekauft. DVDs gekauft. Ich sag ja, ich kenne mich.

Und nu bin ich glücklich. Hab Montag direkt angefangen. Jeden Tag 15 Minuten. Wenn es passt morgens, sonst abends. Hoffe der Vorsatz hält. Sieht gerade aber gut aus. Der Muskelkater zwickt auch schon. Herr-lich!

Ich gucke mal, was so nach den ersten zwei Wochen ist. Das ist ja bekanntlich die Zeit, in der man macht und tut und danach nimmt die Lust entweder rapide ab oder man macht gerne weiter.

Und irgendwie stelle ich gerade fest, dass dieser Artikel ziemlich lang geworden ist. Wer ihn zu Ende gelesen: Danke! Dann war es nicht umsonst. Ich glaube, ich hatte einfach endlich mal wieder Zeit…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s