Der Schoko-Schreck

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Nachdem er eine Weile durch den Wald gewandert war und die letzten farbenfrohen Blätter an den Bäumen und auf den Wegen bewundert hatte, vernahm er ein leises, kaum merkliches Schluchzen. Er drehte sich in alle Richtungen, sah hinauf und hinunter, aber er konnte niemanden sehen. Gerade wollte er seinen Weg fortsetzen, als er wieder dieses Geräusch vernahm. „Nein, das muss erforscht werden!“, dachte er bei sich und ging den Lauten nach. So kam es, dass er nach einigen Schritten zu einem leise säuselnden Bach gelangte, der aber nicht die Ursache für das Schluchzen war. Vielmehr war es ein kleiner brauner Bär, der ganz traurig daneben saß und sich ein paar Tränchen mit seiner rechten Pfote aus den Augen strich. Die andere Pfote war verschwand in einem Baumstumpf neben dem Bach, der über und über mit Blättern bedeckt war.

„Was ist Dir denn passiert?“, wollte Niklas wissen und der kleine Bär sah ihn aus seinen tränengefüllten Augen an. Nach einem traurigen Schniefen sagte dieser: „Ich habe meine Pfote hier eingeklemmt, als ich etwas trinken wollte.“ „Ja warst Du denn alleine unterwegs, dass Dir niemand helfen konnte?“, fragte Niklas. „Nein, ich wollte mit meinen Brüdern zum großen Lichterfest. Eigentlich verschlafen wir das immer, aber in diesem Jahr wollten wir so unbedingt dahin! Und so sind wir ganz früh losmarschiert und kamen eben auch durch diesen Wald. Und als ich dann abbog, um hier kurz ein wenig zu trinken, da hat es wohl keiner von ihnen bemerkt. Und ich, ich stapfte so mir nichts, dir nichts mitten in diesen ollen Baumstumpf!“ Dabei patschte er mürrisch mit seiner anderen kleinen Pranke auf das garstige Holz. „Und als ich rief, hörte mich keiner. Und jetzt, jetzt sitze ich hier und weiß nicht weiter.“

Niklas, stets darauf bedacht anderen zu helfen, beugte sich also hinunter um den armen Tropf aus dieser misslichen Lage zu befreien. Er zog mit aller Macht an dem Baumstumpf und als er dabei den Bären berührte gab es nur ein lautes „Kraaaacks“ und der Stamm war ab vom kleinen Bären. Die Pfote allerdings auch. Niklas erschrak und sah den Bären an. Dieser jubelte, sprang auf und tanzte umher. „Ich bin frei! Ich bin endlich wieder frei!“ „Äh“, machte Niklas, „tut dir das nicht weh?“ Er zeigte auf die Stelle, wo eigentlich die linke Pranke des Bärens hätte sein sollen. Verdutzt sah dieser ebenfalls darauf. Er hob den Ellenbogen und schaukelte sanft den pfotenlosen Unterarm hin und her. „Nee“, sagte er dann, „ich spüre nix.“ Niklas sah genauer hin. Der Bär war ja aus Schokolade! Und die Pfote, die nun noch in dem Baumstumpf steckte, ebenfalls. „Ich nehme die mal mit. Vielleicht können wir sie wieder annähen oder so.“ Aber dem Bärchen war es egal. Es hüpfte und tanzte und freute sich ob seiner Freiheit.

Da beide den gleichen Weg hatten und dieser schöner zu zweit zu beschritten war, als allein, gingen sie zusammen weiter. Der Bär hüpfte glücklich neben Niklas her, der aber immer nur den Kopf schüttelte. „Merkt nichts… brummel brummel… Das kann doch gar nicht sein… brummel brummel…“

(Geschenk: Schoko-Bärchen)

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